Lust in einer langjährigen Partnerschaft

      Lust in einer langjährigen Partnerschaft

      Beim Frisch-Verliebtsein ist es leicht, in der Lust zu schwelgen. Da ist so viel Körpergefühl da, dass die ablenkenden Gedanken keine große Macht haben. Je länger eine Paarbeziehung geht, desto mehr schleichen sich Gewohnheiten und Routinen ein. Diese bewirken außer Langeweile auch noch, dass sich das Tor zum Kopfkino weit öffnet und oft gar nicht mehr geschlossen werden kann.Ich bin jetzt seit 25 Jahren mit meinem Mann verheiratet. Unsere Phase der Verliebtheit hat sehr lange gedauert, mehr als zehn Jahre. Auch heute würde ich behaupten, dass wir immer noch ineinander verliebt sind. Jedoch ist unser sehr starker sexueller Sog inzwischen milde geworden. Ich liebe und begehre meinen Mann immer noch sehr. Wir umarmen uns sehr häufig, machen sexuelle Anspielungen und grabschen uns sehnsüchtig und liebevoll – eigentlich die ganze Zeit über, wenn wir zusammen sind. Allerdings ist es im Bett nicht mehr so leicht in der Lust zu bleiben. Wir merken aber auch beide, dass wir uns nicht mehr so viel Mühe füreinander geben wie früher. Irgendwie sind wir bequem geworden. Kennt ihr das auch? Und wie kann man aus der sexuellen Trägheit herauskommen?

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Sanne“ ()

      Liebe Sanne,
      kann Dich und deine Empfindungen nur bestätigen. Auch ich lebe in einer langjährigen Partnerschaft (30Jahre) , als "Sahnehäubchen" arbeiten wir auch genauso lange zusammen. Es gab/gibt immer wieder Zoff v.a.wegen der Arbeit. Tja und Abends oder am Morgen soll dann die Lust spürbar sein?! Die Besuche von Tantra-Seminaren waren die erste Hilfe, dann letztes Jahr im Sommer das Paar-Seminar bei Regina. Die sanfte Vereinigung als Mittel, miteinander wieder in emotionalen Kontakt zu kommen, wenn aus Frust etc keine Lust verspürt wird. Es hat uns wieder nah zueinander geführt! Eigentlich müßte - wie Regina auch appellierte- dieses Ritual regelmäßig durchgeführt werden, aber oft sind wir da zu nachlässig. Letzten Sonntag haben wir es celebriert: und es war zuerst eher beruhigend-wohlfühlend-und dann spürte ich plötzlich auch große Lust. Dafür bin ich sehr dankbar und werde auf diesem Ritual wieder mehr bestehen. Auch meinem Mann gefällt es gut, er kann mich dabei besser spüren und erleben.
      Aber welche Möglichkeiten gibt es sonst noch, aus der "alten Gewohnheit" auszubrechen und den Partner wieder lustvoll zu empfinden?
      Ester Perel schreibt in "Wild Life, Rückkehr der Erotik in die Liebe":"langjährige Paare haben Mühe mit der Sexualität. Die Gründe sind: zu große Nähe; fehlende Distanz; Fehlen von Offenheit was die sex. Phantasien anbetrifft; oder die Problematik, dass es für "schmutzige" Gedanken in einer funktionierenden Partnerschaft -basierend auf Freundlichkeit und Verantwortungsgefühl- keinen Platz zu geben scheint".
      Freue mich auf eine Rückmeldung von Dir und allen anderen Mitgliedern!!!!!
      Liebe Solveig,
      ich bin vom Urlaub zurück. Danke, dass Du mir so ausführlich geschrieben hast. Ist das Buch von Ester Perel zu empfehlen? Oder ist es nur theoretisch? Ich bin schon bereit, Neues dazu zu lernen, um unser Liebesleben wieder mehr in Schwung zu bringen. Vor allem möchte ich gerne mit meinem Mann zusammen orgasmusfähig werden. Bisher geht es nur alleine und mit Vibrator. Mein Mann weiß dass und er liebt mich so sehr, dass er damit klar kommt. Mein größter Wunsch wäre es, es auch mit ihm zu schaffen. Ich habe mich schon ein paar Male mit dem Vibrator in seinen Armen getraut, aber ich kann dann einfach nicht loslassen. Was meinst Du mit schmutzigen Gedanken? Und wie sollen die helfen?
      Ihr Lieben,
      ich habe Eure Beiträge zum Thema Orgasmus und Vibrator mit großem Interesse gelesen, und jetzt will ich mich mal trauen, etwas aus meinem Erfahrungsschatz dazu beitragen. Ich lebe in einer langjährigen, seit vielen Jahren auch tantrischen Beziehung und kann mit meinem Partner und auch alleine sehr erfüllende Orgasmen bekommen (meist klitoral, aber nicht mehr so kurze, lokale 1-2 Sek Höhepunkte wie früher, sondern sie sind jetzt länger und ein Wohlgefühl breitet sich oft auch in Richtung Beine und Bauch aus). Einen Dildo oder Vibrator habe ich noch nie benutzt und kann mir auch nicht vorstellen, das zu tun. Allerdings habe ich mir vor kurzem bei „Herz und Geist“ den Obsidian-Massagestein gekauft und versuche jetzt, in Selbstliebe- oder Selbstverwöhn-Begegnungen meine Yoni mit meinen Fingern und auch mit dem Massagestein zu verwöhnen und zu energetisieren, damit ich hoffentlich bald auch in meiner Yoni mehr spüre. Bei so einem Selbstliebe-Ritual habe ich mich eben gerade gefragt, warum ich mir selbst nicht diese supertollen Klitoris-Berührungen machen kann, die mein Partner mir immer wieder macht. Und dabei ist mir noch einmal ganz klar geworden, dass wir LOSLASSEN müssen. Wirklich alles loslassen und ‚einfach‘ hinspüren. Und dann habe ich schon ein bisschen mehr gespürt. Wir vergessen, dass unser Gehirn das Zentralorgan der sexuellen Reaktion ist (Alan P. Brauer, ESO, Extensiver Super Orgasmus, 1992). Deshalb funktionieren die Phantasien auch so gut, bei den Frauen, die damit umgehen können. Da habe ich auch noch ganz viel Nachholbedarf. Leider funktioniert das Gehirn aber nicht nur in dieser Richtung, sondern auch anders herum. Also, wenn wir negative Vorstellungen oder Schmerzen visualisieren, dann törnt uns das ab und dann geht gar nichts mehr. Liebe Sanne, wie wäre es, wenn du mal probierst, dich im Beisein deines Partners (aber ohne dessen Mitwirkung) zum Orgasmus zu stimulieren? Selbstliebe im Beisein des Partners sind schwierige Übungen, bei denen man eine verdammt harte Grenze überschreiten muss, aber sie sollen sehr wirkungsvoll sein. Denn dabei muss man/frau wirklich loslassen. Vielleicht könntest du auch mal probieren, bei der Selbstliebe ohne Vibrator zum Orgasmus zu kommen, mit viel Atmen (durch die Yoni ein- und ausatmen) Bewegung, Stimme und mit unterschiedlichen Sequenzen von Streicheln, Reibung und Druck. Das geht sicher nicht so schnell, du solltest da ganz geduldig und gnädig mit dir sein. Ich bin in eifrigem Telefon-Austausch mit einigen tantrischen Frauen, und die ekstatischsten unter ihnen haben alle sehr viel masturbiert. Ich glaube, wir können es alle lernen – wir müssen es nur tun!
      Natürlich ist es so; dass es manchmal eine Flaute gibt aber gegen diese muss man auch was machen. Es gibt genug Möglichkeiten um sein Sexleben auf dem laufenden zu halten.
      Wir zum Beispiel versuchen einiges aus; haben da auch einen sexshop gefunden wo wir uns ab und an auch mal was bestellen.

      Ich selber kann mich echt nicht beklagen. Zudem ist es auch wichtig, dass man miteinander redet.